3-phasige Nulleinspeisung: So regelt mein DIY-Speicher jede Phase einzeln

Drei Lumentree Wechselrichter im Schaltschrank für die 3-phasige Nulleinspeisung eines DIY LiFePO4 Batteriespeichers

Mein 48-V-LiFePO4-Speicher steht seit einiger Zeit im Keller, das JK BMS ist eingestellt und trotzdem war das Projekt lange nicht fertig. Denn ein Akku, der Energie nur speichert, bringt genau gar nichts. Er muss sie auch wieder ins Hausnetz zurückgeben, möglichst genau dann und in der Menge, in der sie gebraucht wird. Meine Lösung dafür ist eine 3-phasige Nulleinspeisung, bei der jede Netzphase einzeln geregelt wird.

Jede Phase bekommt also ihren eigenen Wechselrichter und ihren eigenen Regelkreis. Bei mir übernehmen das drei Lumentree-Wechselrichter, drei Trucki-T2SG-Sticks, ein Shelly 3EM als zentrales Messgerät und Home Assistant als Auge über dem Ganzen.

3-phasige-nulleinspeisung-lumentree-wechselrichter 3-phasige Nulleinspeisung: So regelt mein DIY-Speicher jede Phase einzeln
Meine drei Lumentree-Wechselrichter im Schaltschrank. Jedes Gerät speist auf eine eigene Netzphase ein.

Ich zeige dir, wie das System aufgebaut ist, wo der Unterschied zur klassischen saldierenden Regelung liegt, welche Fehler ich mir dabei fast eingehandelt hätte und was meine eigenen Messkurven nach mehreren Wochen Betrieb zeigen.

Vorweg der wichtigste Satz: Das hier ist meine persönliche DIY-Anlage und keine allgemeingültige Installationsanleitung. Ich übernehme keine Haftung und keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Angaben. Arbeiten an 230/400-V-Anlagen gehören in die Hände qualifizierter Personen.

Was 3-phasige Nulleinspeisung wirklich bedeutet und was nicht

Der Begriff wird online ziemlich schlampig verwendet. Deshalb zuerst die Unterscheidung, an der sich alles Weitere aufhängt.

Saldierende Nulleinspeisung

Bei der saldierenden Variante wird die Summe aller drei Phasen betrachtet. Der Regler sieht einen einzigen Wert und fährt den Wechselrichter so, dass diese Summe ungefähr null ergibt.

Ein Beispiel, wie es in einem normalen Haushalt typischerweise aussieht:

PhaseMomentaner Netzfluss
L1+800 W Bezug
L2+300 W Bezug
L3−500 W Einspeisung
Summe+600 W Bezug

Für einen saldierenden Regler sind das schlicht 600 W. Er speist 600 W ein, die Summe geht gegen null -> fertig. Dass auf L3 gleichzeitig 500 W ins Netz laufen, während auf L1 800 W bezogen werden, interessiert ihn nicht.

Phasengenaue Nulleinspeisung

Bei der phasengenauen Regelung „und die habe ich gebaut“ bekommt jeder Wechselrichter nur den Messwert seiner Phase:

  • L1-Messwert → Wechselrichter P1
  • L2-Messwert → Wechselrichter P2
  • L3-Messwert → Wechselrichter P3

Drei getrennte Regelkreise, die nichts voneinander wissen. Jeder Wechselrichter gleicht exakt die Last aus, die auf seiner eigenen Phase hängt.

Und was sagt der Zähler dazu?

Hier wird es interessant, und dieser Punkt fehlt in den meisten Artikeln zum Thema. Die allermeisten modernen Smart Meter in Österreich und Deutschland arbeiten saldierend: Sie verrechnen Bezug und Einspeisung über alle drei Phasen. Wer auf L3 500 W einspeist und auf L1 500 W bezieht, zahlt am saldierenden Zähler dafür nichts.

Rein wirtschaftlich brauchst du für die Abrechnung also gar keine phasengenaue Regelung. Das muss man ehrlich sagen, statt es zu verschweigen.

Warum ich es trotzdem phasengenau gebaut habe: Weil eine saldierende Regelung physikalisch tatsächlich Strom ins Netz schickt und von woanders zurückholt. Das ist nur buchhalterisch neutral, nicht elektrisch. Mit drei getrennten Reglern bleibt der Strom im Haus, die Belastung verteilt sich gleichmäßig auf alle drei Phasen, und ich sehe in Home Assistant für jede Phase einzeln, was los ist.

Für wen sich dieser Aufbau lohnt – und für wen nicht

Sinnvoll ist die 3-phasige Nulleinspeisung aus meiner Sicht, wenn:

  • du einen dreiphasigen Hausanschluss und einen selbstgebauten AC-gekoppelten Speicher hast,
  • du sowieso schon in Home Assistant unterwegs bist und Messwerte auswerten willst,
  • dir ein modularer Aufbau lieber ist als eine Blackbox,
  • du bereit bist, dich in Regelverhalten, Netzwerk und Schaltschrankbau einzuarbeiten.

Eher nicht sinnvoll ist der Weg, wenn:

  • du eine schlüsselfertige Lösung mit Herstellergarantie und Notstromfunktion suchst,
  • dein Speicher ohnehin nur eine Phase versorgen soll.

Meine Komponenten im Überblick

Drei einphasige Lumentree-Wechselrichter

In meinem Schaltschrank hängen drei Lumentree SUN-Geräte in der Version „feat. Trucki“. Beschriftet sind sie schlicht mit P1, P2 und P3 – jeder speist auf eine eigene Netzphase ein.

lumentree-wechselrichter-schaltschrank-drei-phasen 3-phasige Nulleinspeisung: So regelt mein DIY-Speicher jede Phase einzeln
P3, P1 und P2 im selben Moment: 82,6 W, 216,9 W und 407,6 W. Drei Phasen, drei völlig verschiedene Leistungen.

Wichtig, weil das oft verwechselt wird: Das ist kein dreiphasiger Wechselrichter. Es sind drei völlig unabhängige einphasige Geräte, die nur zufällig denselben Akku teilen. Genau diese Unabhängigkeit ist die Grundlage der phasengenauen Regelung.

Die Preise für die Trucki-tauglichen Modelle bewegen sich in diesen Bereichen: SUN 800 rund 370 bis 530 Euro, SUN 1000 rund 420 bis 580 Euro, SUN 2000 rund 470 bis 630 Euro. Preise ändern sich laufend, das ist nur eine Größenordnung.

Ein Hinweis, der bares Geld spart: Nicht jeder Lumentree SUN aus dem freien Handel funktioniert mit Trucki. Es braucht die passende Firmware-Variante. Wer wahllos das billigste Angebot kauft, hat unter Umständen ein Gerät, das sich nicht regeln lässt.

Shelly 3EM als zentrales Messorgan

Am Hausanschluss sitzt ein Shelly 3EM mit drei Stromwandlern. Er misst L1, L2 und L3 getrennt voneinander und stellt die Werte im Netzwerk bereit.

Beim klassischen Shelly 3EM läuft die Abfrage über http://SHELLY-IP/status. Die drei Phasen findest du dort als emeters,0,power, emeters,1,power und emeters,2,power.

Beim neueren Shelly Pro 3EM sieht die API anders aus: http://SHELLY-IP/rpc/EM.GetStatus?id=0. Die Einzelphasen heißen dort a_act_power, b_act_power und c_act_power, der saldierte Gesamtwert total_act_power.

Diese Unterscheidung ist die zentrale Weiche des ganzen Projekts. Wer total_act_power einträgt, bekommt eine saldierende Regelung. Wer die Einzelphasen einträgt, bekommt eine phasengenaue.

trucki2shelly-gateway-shelly-3em-meter 3-phasige Nulleinspeisung: So regelt mein DIY-Speicher jede Phase einzeln
Der Trucki2Shelly Gateway liest den Shelly 3EM direkt aus: Über den JSON-Key emeters,2,power kommt hier nur die Leistung von Phase 3, abgefragt alle 250 ms.

Der Trucki T2SG als eigentlicher Regler

lumentree-trucki-wechselrichter-detail 3-phasige Nulleinspeisung: So regelt mein DIY-Speicher jede Phase einzeln
Jeder Wechselrichter hat seinen eigenen Trucki-Stick und seine eigene Absicherung. Links im Bild die WLAN-Antenne eines T2SG.

Der Trucki-Stick, bei mir jeweils ein T2SG ist das Bindeglied. Er hängt am Wechselrichter, ist im WLAN, liest den Messwert vom Shelly und verändert daraufhin den AC-Sollwert des Lumentree.

Dafür bringt er den sogenannten Zero Export Controller (ZEPC) mit. Vereinfacht passiert dauernd das hier:

Shelly misst → Trucki rechnet → Lumentree stellt Leistung → Shelly misst erneut

Ein paar Werte aus der offiziellen Dokumentation, die zum Verständnis helfen:

  • Das Smartmeter wird standardmäßig alle 500 ms abgefragt.
  • Der ZEPC mittelt normalerweise über 30 Messwerte; für aggressiveres Verhalten kann man das auf 10 reduzieren.
  • Die Leistung steigt bewusst langsam an (Größenordnung 30 Sekunden), wird aber sehr schnell reduziert (rund 1 Sekunde), wenn Einspeisung droht.
  • Der Standard-Zielwert liegt bei etwa 30 W Restbezug, nicht bei 0 W.

Der letzte Punkt ist kein Schönheitsfehler, sondern Absicht. Dazu gleich mehr.

Der Speicher darunter

Auf der DC-Seite hängen alle drei Geräte am selben 48-V-LiFePO4-Speicher mit rund 33 kWh Kapazität. Wie der aufgebaut ist und warum ich mich für 16 Zellen entschieden habe, steht in Teil 1 meines DIY-Stromspeicherbaus. Die passenden Parameter fürs BMS findest du im Artikel JK BMS einstellen für LiFePO4.

lumentree-sun-display-batteriespannung 3-phasige Nulleinspeisung: So regelt mein DIY-Speicher jede Phase einzeln
Das Display zeigt links die Batteriespannung (49,8 V) und rechts die Netzspannung (237,7 V). Rechts daneben die DC-Verteilung mit Shunt.

So funktioniert die Regelung Schritt für Schritt

Nehmen wir an, auf L2 werden gerade 600 W aus dem öffentlichen Netz bezogen.

  1. Der Shelly 3EM misst auf Kanal 2 rund +600 W.
  2. Der T2SG des L2-Wechselrichters liest genau diesen einen Kanal über das Netzwerk aus.
  3. Der Zero Export Controller erhöht den AC-Sollwert des Lumentree P2 schrittweise.
  4. Der Wechselrichter entnimmt Energie aus dem 48-V-Speicher und speist sie auf L2 ein.
  5. Der gemessene Netzbezug auf L2 sinkt in Richtung des eingestellten Zielwerts.
  6. Ändert sich die Last, korrigiert der Regler laufend nach.

Die Wechselrichter auf L1 und L3 machen währenddessen ihr eigenes Ding. Sie bekommen davon gar nichts mit.

Die entscheidende Einstellung

Damit das so läuft, bekommt jeder Trucki-Stick genau einen Phasenwert zugewiesen:

WechselrichterNetzphaseShelly 3EMShelly Pro 3EM
P1L1emeters,0,powera_act_power
P2L2emeters,1,powerb_act_power
P3L3emeters,2,powerc_act_power

Klingt banal. Ist es auch. Aber es ist der eine Konfigurationspunkt, an dem das gesamte Konzept steht oder fällt.

Warum der Zielwert nicht 0 W sein sollte

Ein mathematisch exakter Nullwert klingt verlockend, funktioniert in der Praxis aber schlecht. Zwischen Messung, Netzwerkübertragung und Leistungsänderung vergeht immer etwas Zeit. Zielt man exakt auf null, pendelt der Regler ständig zwischen leichtem Bezug und leichter Einspeisung.

Deshalb lasse ich bewusst einen kleinen Restbezug stehen – ein Zielwert im Bereich von etwa 20 bis 30 W hat sich bei mir bewährt. Das kostet über den Tag ein paar Wattstunden und spart dafür ständiges Hin- und Herregeln. Wer die perfekte Null erzwingen will, bekommt vor allem unruhige Wechselrichter.

Warum die Anlage nicht immer sofort reagiert

Ein Wasserkocher schaltet ein, ein Kompressor läuft an, ein Netzteil zieht plötzlich mehr. Bis der Shelly das gemessen, über WLAN gemeldet und der Wechselrichter seine Leistung angepasst hat, vergehen ein paar hundert Millisekunden bis Sekunden.

Der T2SG geht damit bewusst asymmetrisch um: Leistung wird langsam aufgebaut, aber schnell abgebaut. Das ist genau richtig herum gedacht. Ein zu spät reduzierter Wechselrichter speist ins Netz ein, ein zu spät erhöhter kostet dich nur ein paar Wattsekunden Netzbezug.

Praktisch heißt das: kurze Lastspitzen von wenigen Sekunden fängt so ein System nicht vollständig ab. Wer das erwartet, wird enttäuscht sein. Wer eine gute Annäherung an den Hausverbrauch will, bekommt sie.

Ein stabiles Netzwerk ist dabei kein Nice-to-have. Die Trucki-Dokumentation empfiehlt, bei Regelproblemen zuerst die Antwortzeiten des Smartmeters zu prüfen; Werte in der Größenordnung von rund 100 ms gelten als gesund. Ein überlastetes WLAN im Keller merkst du hier sofort.

Was meine Messkurven zeigen

Das ist für mich der überzeugendste Teil des Projekts, weil er nichts behauptet, sondern einfach zeigt, wie ungleich ein normales Haus seine drei Phasen belastet.

Auf einem einzelnen Foto der drei Displays sieht man gleichzeitig: P1 mit 218 W, P2 mit 406 W, P3 mit 83 W. Drei Phasen, dieselbe Sekunde, drei völlig verschiedene Leistungen.

Über 24 Stunden wird das Bild noch deutlicher. P1 läuft über längere Zeiträume an der Obergrenze und hält dort ein sauberes Plateau bei rund 1,5 bis 1,6 kW. P2 bleibt fast durchgehend im Bereich einiger hundert Watt, mit einer einzelnen Spitze knapp unter 1 kW. P3 liegt die meiste Zeit nahe null und zeigt nur einzelne, kurze Spitzen bis über 1 kW.

Ein einziger Summenwert hätte diese Unterschiede vollständig versteckt.

Nebeneffekt: mehr Gesamtleistung als mit einem Gerät

Ein einzelner Wechselrichter kommt an einem 48-V-Speicher auf rund 1,6 – 2 kW – und da ist Schluss, egal wie groß der Akku ist.

batteriespeicher-leistung-aus-akku-home-assistant 3-phasige Nulleinspeisung: So regelt mein DIY-Speicher jede Phase einzeln
Die Summenansicht über alle drei Wechselrichter. Spitzen um 2,4 kW sind mit einem einzelnen Gerät gar nicht möglich.

Mit drei Geräten sieht die Sache anders aus. In der Summenansicht meines Speichers sehe ich Spitzen von rund 2,4 kW, wenn mehrere Phasen gleichzeitig Last haben. Theoretisch wären etwa 5-6 kW möglich, wenn alle drei gleichzeitig am Anschlag laufen. Die phasengenaue Regelung ist also nicht nur eine Frage der Eleganz sondern hebt ganz nebenbei die nutzbare Entladeleistung des Speichers auf das Dreifache.

Zwei Messebenen: warum ich pro Wechselrichter nochmal messe

Der zentrale Shelly 3EM regelt. Für die Kontrolle wollte ich mehr. Deshalb sitzt im Abgang jedes Lumentree zusätzlich ein eigener Shelly-Schaltaktor mit Leistungsmessung. Damit bekomme ich pro Wechselrichter unabhängig:

  • die tatsächliche AC-Leistung,
  • die abgegebene Energie,
  • den Ein-/Aus-Zustand,
  • den Verlauf in Home Assistant,
  • und die Möglichkeit, ein einzelnes Gerät gezielt abzuschalten (über HA).

Der zentrale Shelly beantwortet die Frage: Was passiert am Netzanschlusspunkt? Die drei einzelnen Shellys beantworten: Was liefert P1, P2 oder P3 wirklich?

Für die Fehlersuche ist das Gold wert. Wenn Sollwert und tatsächliche Ausgangsleistung auseinanderlaufen, weiß ich sofort, ob das Problem beim Regler, beim Wechselrichter oder bei der Messung liegt.

Eine Klarstellung, die sein muss: Ein Shelly-Relais ist eine Komfortfunktion, keine Sicherheitsfreischaltung. Für Arbeiten an der AC- oder DC-Seite gelten weiterhin die dafür vorgesehenen Trenneinrichtungen und die üblichen Sicherheitsregeln.

Home Assistant bringt alles zusammen

Der T2SG unterstützt MQTT samt Home-Assistant-Discovery und veröffentlicht seine Werte ungefähr im Sekundentakt – laut Dokumentation etwa alle 1,3 Sekunden. Interessant sind vor allem:

  • ACSETPOINT – der Sollwert, den der Regler vorgibt
  • ACDISPLAY – die tatsächlich gemeldete Leistung
  • METER – der vom Smartmeter übernommene Netzwert
  • TARGET – der Zielwert der Nulleinspeiseregelung
  • VBAT und VGRID – Batterie- und Netzspannung
  • TEMPERATURE – Gerätetemperatur
  • DAYENERGY und TOTALENERGY – Energiezähler

Erst diese Kombination macht die Anlage wirklich verständlich. Wenn ACSETPOINT und ACDISPLAY auseinanderlaufen, arbeitet eine Begrenzung. Wenn METER dauerhaft positiv bleibt, obwohl ACSETPOINT am Anschlag ist, ist der Speicher schlicht am Limit.

Über MQTT lassen sich außerdem einzelne Werte temporär überschreiben, etwa die Maximalleistung oder der Zielwert. Damit sind Automationen möglich, die den Speicher zum Beispiel abhängig vom Ladezustand unterschiedlich stark arbeiten lassen.

Mein Dashboard

home-assistant-dashboard-soc-sun-p1-p2-p3 3-phasige Nulleinspeisung: So regelt mein DIY-Speicher jede Phase einzeln
Ladezustand oben, darunter die drei Wechselrichter einzeln: 66 W, 194 W und 5 W im selben Moment.

Auf meiner Übersichtsseite stehen oben der Ladezustand des Speichers und die aktuelle Leistung aus dem Akku, darunter drei Rundinstrumente für SUN P1, P2 und P3.

Genau diese drei Anzeigen sind der Grund, warum ich das Dashboard so gebaut habe. In einem beliebig herausgegriffenen Moment stehen dort 66 W, 194 W und 5 W – drei Phasen, drei völlig unterschiedliche Werte, und das ist bei mir eher die Regel als die Ausnahme.

Praktisch ist außerdem die Restlaufzeit-Anzeige, die sich aus Ladezustand und aktueller Entladeleistung ergibt. Bei geringer Grundlast steht dort schon mal ein dreistelliger Stundenwert – ein guter Realitätscheck dafür, wie viel Reserve tatsächlich im Speicher steckt.

Mein Aufbau als Diagramm

                    ÖFFENTLICHES NETZ
                           |
                      Shelly 3EM   (misst L1 / L2 / L3 getrennt)
                 +---------+---------+
                L1        L2        L3
                 |         |         |
             Shelly P1 Shelly P2 Shelly P3   (Messung + Schaltung)
                 |         |         |
             Lumentree Lumentree Lumentree
                 P1        P2        P3
                 +---------+---------+
                           |
                   48-V-LiFePO4-Speicher


   Shelly 3EM --WLAN--> Trucki P1 --> regelt Lumentree P1
              --WLAN--> Trucki P2 --> regelt Lumentree P2
              --WLAN--> Trucki P3 --> regelt Lumentree P3

   Shelly + Trucki ----MQTT----> Home Assistant

Die Rollenverteilung ist damit klar: Der Shelly misst, Trucki regelt, der Lumentree liefert die Leistung, Home Assistant visualisiert und automatisiert.

Praktische Einschätzung: Aufwand, Kosten und Schwierigkeitsgrad

Schwierigkeitsgrad: fortgeschritten/hoch. Nicht wegen der Software, die Trucki-Konfiguration ist in einer halben Stunde erledigt. Sondern wegen allem drumherum: Schaltschrank, Leitungsführung, Absicherung, saubere Phasenzuordnung.

Zeitaufwand: Für den elektrischen Teil solltest du realistisch mit der Verkabelung mehrere Tage einrechnen. Konfiguration von drei Trucki-Sticks, drei Shellys und der Home-Assistant-Integration: nochmal ein bis zwei ganze Tage. Dazu ein paar Abende Feintuning beim Regelverhalten.

Kostenrahmen (Größenordnung, ohne Speicher, Stand meiner Recherche):

  • drei Lumentree SUN „feat. Trucki“: grob 1.100 bis 1.900 Euro
  • drei Trucki-T2SG-Sticks: der kleinste Posten im Aufbau
  • Shelly 3EM oder Pro 3EM: rund 100 bis 150 Euro
  • drei Shelly-Schaltaktoren mit Messung: rund 60 bis 120 Euro
  • Schaltschrank, Sicherungen, DC-Verteilung, Kabel: stark abhängig vom Bestand

Die drei Einzel-Shellys sind streng genommen optional. Ich würde sie trotzdem wieder einbauen da der Erkenntnisgewinn ist deutlich größer als die Kosten.

Was du zusätzlich brauchst: stabiles WLAN oder LAN im Technikraum, eine laufende Home-Assistant-Instanz mit MQTT-Broker, und einen Speicher mit funktionierendem BMS.

Typische Fehler bei der 3-phasigen Nulleinspeisung

Diese Punkte kosten am meisten Nerven – die ersten beiden sind mit Abstand die häufigsten.

Saldiert statt phasengenau konfiguriert. Wer beim Shelly Pro 3EM total_act_power einträgt, hat drei Wechselrichter, die alle dieselbe Summe sehen und sich gegenseitig hochschaukeln. Für Einzelphasenregelung müssen die Kanalwerte hinein.

Phasenzuordnung vertauscht. Wenn der Stromwandler auf L1 sitzt, der zugehörige Wechselrichter aber auf L2 einspeist, regelt das System in die falsche Richtung. Prüf das nicht am Schaltplan, sondern in der Praxis: einen Verbraucher gezielt auf eine Phase schalten und schauen, welcher Wechselrichter reagiert.

Vorzeichen falsch herum. Manche Zähler liefern Bezug positiv, manche negativ. Der T2SG kann den Messwert invertieren. Ein falsches Vorzeichen erkennst du daran, dass die Anlage bei Einspeisung noch mehr einspeist.

Zielwert exakt auf 0 W gesetzt. Führt zu ständigem Pendeln. Ein kleiner positiver Wert läuft ruhiger.

WLAN unterschätzt. Metallschaltschrank, weit entfernter Access Point, überlastetes Netz – all das äußert sich als „die Regelung ist so träge“. Die Antwortzeit des Shellys ist der erste Messwert, den ich bei Problemen anschaue.

Master-Remote mit phasengetrennter Regelung verwechselt. Der T2SG kann bis zu drei SUN-Geräte als SUN1/SUN2/SUN3 koppeln: Ein Gerät regelt zentral und schaltet die anderen zu, sobald das vorherige zu etwa 75 Prozent ausgelastet ist. Das ist eine reine Leistungserweiterung auf gemeinsamer Basis – nicht dasselbe wie drei unabhängige Phasenregler.

Auf die Batteriespannungsabschaltung des T2SG als Schutz vertrauen. Sie setzt den Sollwert bei Unterspannung auf 0 W, ersetzt aber ausdrücklich kein BMS. Der Akkuschutz bleibt beim BMS – bei mir beim JK. Welches BMS für welchen Anwendungsfall passt, habe ich im BMS-Vergleich JK, Daly, JBD und Seplos gegenübergestellt.

Sicherheit, Anmeldung und rechtlicher Rahmen

Dieser Abschnitt ist kein Kleingedrucktes, sondern gehört zum Projekt dazu.

Technisch: Arbeiten an netzgekoppelten Wechselrichtern, Verteilungen und Sicherungen gehören in die Hände qualifizierter Personen. Die DC-Seite eines 48-V-LiFePO4-Speichers ist trotz „nur“ 48 V nicht harmlos – die möglichen Kurzschlussströme sind erheblich. Ordentliche DC-Absicherung, passende Querschnitte und saubere Klemmstellen sind Pflicht.

Rechtlich: Eine technisch realisierte Nulleinspeisung bedeutet nicht automatisch, dass für die Anlage keine Anforderungen des Netzbetreibers gelten. Netzparallel betriebene Erzeugungsanlagen sind grundsätzlich meldepflichtig – auch dann, wenn sie im Normalbetrieb nichts einspeisen sollen. In Österreich sind unter anderem die TOR Stromerzeugungsanlagen, die technischen Anschlussbedingungen und die jeweils gültigen Vorgaben des zuständigen Netzbetreibers relevant. Kläre das vorher ab, das ist deutlich angenehmer als hinterher.

Nochmals ausdrücklich: Ich beschreibe hier meine eigene Anlage. Ich übernehme keinerlei Haftung für Schäden und keine Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der Angaben. Prüfe alle Werte selbst und zieh im Zweifel eine Fachkraft bei.

Mein Fazit

Die drei Lumentree-Wechselrichter sind in meinem Speichersystem längst mehr als reine DC/AC-Wandler. Zusammen mit den Trucki-T2SG-Sticks und dem zentralen Shelly 3EM sind daraus drei unabhängig geregelte Einspeiser für L1, L2 und L3 geworden.

Der Shelly misst den momentanen Netzfluss. Trucki rechnet daraus den Sollwert. Der Lumentree holt die Leistung aus dem Akku. Die zusätzlichen Shellys sagen mir, was tatsächlich ankommt. Und Home Assistant führt alles zusammen.

Würde ich es wieder so bauen? Für mein Projekt: ja. Die Lastverteilung eines normalen Hauses ist alles andere als gleichmäßig, und statt diese Unterschiede zu ignorieren, unterstützt mein Speicher jede Phase gezielt. Dazu kommt der Punkt, den ich am wenigsten missen möchte: Ich bin nicht von einer Hersteller-App abhängig, sondern kann jeden Messwert selbst weiterverarbeiten.

Wer dagegen eine Komplettlösung mit Support sucht, sollte ehrlicherweise zum Hybridwechselrichter greifen. Beides hat seine Berechtigung.

Damit ist der nächste große Baustein meines DIY-Speichers fertig: Energie nicht nur speichern, sondern sie genau dort und genau dann bereitstellen, wo sie gebraucht wird.

FAQ zur 3-phasigen Nulleinspeisung

Ist eine 3-phasige Nulleinspeisung wirklich sinnvoll?

Für die reine Stromrechnung meist nicht, weil die allermeisten Smart Meter saldierend abrechnen – eine saldierende Regelung reicht dafür aus. Sinnvoll wird sie, wenn du die Phasen physikalisch gleichmäßig entlasten, Schieflast vermeiden und in Home Assistant sehen willst, was auf jeder Phase tatsächlich passiert. Als Nebeneffekt verdreifacht sich außerdem die nutzbare Entladeleistung.

Was kostet der Aufbau?

Ohne Speicher liegt die Größenordnung bei etwa 1.300 bis 2.200 Euro: drei Lumentree SUN „feat. Trucki“ (grob 1.100 bis 1.900 Euro), drei Trucki-Sticks, ein Shelly 3EM oder Pro 3EM (rund 100 bis 150 Euro) sowie optional drei Shelly-Schaltaktoren. Dazu kommen Schaltschrank, Absicherung und Verkabelung.

Brauche ich für drei Phasen wirklich drei Wechselrichter?

Für eine phasengenaue Regelung ja – jede Phase braucht ihren eigenen einphasigen Wechselrichter mit eigenem Regelkreis. Für eine saldierende Nulleinspeisung genügt ein einzelner Wechselrichter, dann gelten allerdings die Schieflastgrenzen des Netzbetreibers für einphasige Einspeisung.

Kann Trucki einzelne Phasen des Shelly 3EM auslesen?

Ja. Beim Shelly 3EM trägst du emeters,0,power, emeters,1,power beziehungsweise emeters,2,power ein, beim Shelly Pro 3EM a_act_power, b_act_power und c_act_power. Der saldierte Wert total_act_power ist dagegen die Einstellung für eine Summenregelung.

Wie schnell regelt das System?

Der T2SG fragt das Smartmeter standardmäßig alle 500 ms ab. Die Leistung wird bewusst langsam erhöht (Größenordnung 30 Sekunden) und sehr schnell reduziert (rund 1 Sekunde), damit bei plötzlichem Lastabfall möglichst wenig bzw. nichts ins Netz geht. Kurze Lastspitzen von wenigen Sekunden fängt ein solches System nicht vollständig ab.

Welche Alternative gibt es zum DIY-Aufbau?

Ein kommerzieller Hybridwechselrichter mit integrierter Nulleinspeisung und Notstromfunktion. Der ist teurer und weniger offen, dafür aber eine geprüfte Komplettlösung mit Support – und die deutlich bessere Wahl, wenn du nicht selbst an Regelparametern schrauben möchtest.

Weiterlesen auf NextNest

Wenn dich der Speicher unter dieser Regelung interessiert: In Teil 1 meines DIY-Stromspeicherbaus zeige ich den Aufbau mit 16 LiFePO4-Zellen, in Teil 2 geht es um Zellchemie, Spannungen und Lade-/Entladekurven. Die passenden Parameter fürs BMS findest du unter JK BMS einstellen für LiFePO4.

Alle weiteren Projekte rund um Speicher und Energie sammle ich in der Kategorie PV & Speicher. Und falls du gerade selbst an so einem Aufbau sitzt: Schreib mir in die Kommentare, welche Phase bei dir am meisten zu tun hat – ich bin gespannt, ob das bei anderen genauso ungleich verteilt ist wie bei mir.

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