Schwache LiFePO4-Zelle? Diagnose mit JK-BMS, ESP32 und Home Assistant (Teil 1)
Mein 48-V-Speicher hat auf dem Papier rund 33 kWh. In der Praxis kam davon aber spürbar weniger heraus, denn ein Pack hat sich beim Entladen immer früher verabschiedet. Der Grund war eine schwache LiFePO4-Zelle, zumindest sah es so aus: Zelle 09 in Pack 1 ist jedes Mal als erste eingebrochen, während die anderen 15 Zellen noch locker bei 3,28 V standen.
Bevor ich anfange, Zellen zu tauschen, wollte ich es genau wissen. Ist Zelle 09 wirklich kaputt und hat zu wenig Kapazität? Oder ist sie nur unausgeglichen, also einfach weniger voll als ihre Nachbarn? In diesem Artikel zeige ich dir, wie ich das mit einem ESP32, zwei JK-BMS und Home Assistant herausgefunden habe, welche Messkurven den Ausschlag gegeben haben und wie ich die Zelle im eingebauten Pack einzeln nachgeladen habe.
Das ist Teil 1 – die Diagnose. Die Ursache und das zweite Nachladen findest du in Teil 2: Lockerer Zellverbinder – warum meine LiFePO4-Zelle abgedriftet ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Pack 1 schaltet beim Entladen früher ab als Pack 2, weil Zelle 09 zuerst einbricht – bis auf 2,85 V, während die anderen noch bei ~3,28 V liegen.
- Ein ESP32 liest beide JK-BMS per Bluetooth aus. Ein eigenes Home-Assistant-Dashboard zeigt seitdem jede einzelne Zellspannung.
- Beim Volladen bleibt Zelle 09 die tiefste Zelle (−120 bis −145 mV). Das spricht für einen Ladungsrückstand, nicht für zu wenig Kapazität.
- Der Rückstand liegt grob bei 80–120 Ah. Der eingebaute 2-A-Balancer bräuchte dafür Wochen, ein 3,65-V/20-A-Einzelzellenlader schafft 15–20 Ah pro Stunde.
- Nach knapp 2 Stunden Nachladen im montierten Pack sank der Abstand unter Last von −63 mV auf −26 mV. Ganz erledigt ist das Thema damit aber noch nicht.
Inhalt
- Ausgangslage: eine Zelle bremst das ganze Pack
- Zellüberwachung mit ESP32, JK-BMS und Home Assistant
- Was die Messdaten zeigen
- Warum man LiFePO4-Zellen nur oben vergleichen kann
- Diagnose: schwache Zelle oder nur unausgeglichen?
- Kontrollen – und warum der 2-A-Balancer nicht reicht
- Einzelne LiFePO4-Zelle im Pack nachladen
- Was noch offen ist – Ausblick auf Teil 2
- Material aus diesem Artikel
- FAQ
Ausgangslage: eine schwache LiFePO4-Zelle bremst das ganze Pack
Mein Speicher besteht aus zwei parallel geschalteten 16S-LiFePO4-Packs an einer gemeinsamen DC-Busbar. Daran hängen ein Victron GX mit zwei MPPT-Ladereglern und drei einphasige Lumentree-Wechselrichter, die jede Phase einzeln auf null regeln. Wie das genau funktioniert, habe ich im Artikel zur 3-phasigen Nulleinspeisung beschrieben. Den Bau des ersten Packs findest du in Mein DIY-Stromspeicherbau mit 16 LiFePO4-Zellen – Teil 1.
| Pack 1 | Pack 2 | |
|---|---|---|
| Zellen / Nennkapazität | 16S · 314 Ah | 16S · 280 Ah |
| BMS | JK-BMS, aktiver Balancer 2 A | JK-BMS (JK_PB2A16S20P), aktiver Balancer 2 A |
| Ladezyklen laut BMS | 132 | 97 |
| „Vollkapazität“ laut BMS | 197 Ah (statt 314 Ah) | 280 Ah |
Das Problem: Pack 1 schaltet beim Entladen immer früher ab, weil eine einzelne Zelle einbricht und das BMS das Pack bei Unterspannung abschaltet. Dann muss Pack 2 die ganze Last allein tragen und die nutzbare Kapazität des Speichers schrumpft deutlich. Auffällig ist auch der Wert von 197 Ah, den das BMS von Pack 1 als „Vollkapazität“ meldet. Dazu später mehr.
Meine erste Maßnahme im September war eine Einstellung am Victron: Ich habe die Haltezeit der hohen Ladespannung (Absorption) von 1 auf 3 Stunden verlängert, damit der Balancer mehr Zeit bekommt. Meine übrigen BMS-Werte findest du im Artikel JK BMS einstellen für LiFePO4 (16S). Was genau im Pack passiert, konnte ich bis dahin aber nur über die JK-App sehen – also nur als Momentaufnahme. Und Momentaufnahmen sind bei LiFePO4 trügerisch.
Hinschauen statt raten: Zellüberwachung mit ESP32, JK-BMS und Home Assistant
Bevor ich irgendetwas am Pack anfasse, wollte ich Daten haben, und zwar über mehrere Tage, für jede einzelne Zelle. Das ging mit wenig Aufwand:
- Hardware: ein ESP32 D1 Mini* direkt beim Speicher, mit Strom versorgt über einen freien USB-Port am Victron GX. Ich habe gleich ein 3er-Pack genommen – die Boards kosten wenige Euro und eines liegt immer als Reserve oder für das nächste Projekt bereit.
- Anbindung: beide JK-BMS per Bluetooth (BLE) – keine zusätzliche Verkabelung zum BMS. Den ESP habe ich einmal am PC geflasht, danach läuft er per WLAN als ESPHome-Gerät in Home Assistant.
- Daten: alle 16 Zellspannungen je Pack, Minimum, Maximum, Mittelwert und Zelldelta, Strom, Spannung, SOC, Temperaturen, Balancer-Status und -Strom sowie die Zyklen.
- Dashboard „Akku-Zellen“: Zustandstabelle, Abweichung jeder Zelle vom Mittel, Zelle 09 gegen Mittel und höchste Zelle, Strom je Pack, Zelldelta mit SOC, Nummer der tiefsten und höchsten Zelle sowie ein Langzeit-Delta.
Wer kein Home Assistant betreibt oder die Werte zusätzlich direkt am Speicher sehen will: Für die JK-PB-Serie ab Firmware V19 gibt es ein 7-Zoll-TFT-Display*, das Gesamtspannung, SOC, Strom, Temperaturen und alle Zellspannungen anzeigt – im Parallelbetrieb für bis zu 16 Packs. Für eine Auswertung über mehrere Tage, wie ich sie hier zeige, ersetzt es die Aufzeichnung in Home Assistant aber nicht.
Wie ich den ESP32 vom ersten Flashen bis zum fertigen Dashboard eingerichtet habe – mit kompletter ESPHome-YAML –, zeige ich Schritt für Schritt in Teil 3: JK BMS in Home Assistant per ESP32 und Bluetooth.
Seit dem 01.10.2026 um etwa 21 Uhr läuft die Aufzeichnung. Schon der erste Blick auf das Dashboard bei vollem Speicher war eindeutig:


Während alle anderen Zellen bei vollem Speicher eng beieinander liegen, hängt Zelle 09 in Pack 1 rund 120 mV darunter. In Pack 2 fällt Zelle 12 leicht ab, aber in einer ganz anderen Größenordnung.

Verdacht auf eine schwache LiFePO4-Zelle: was die Messdaten zeigen
Für die Auswertung habe ich die Daten aus Home Assistant als 5-Minuten-Mittelwerte exportiert und für Zelle 09 jeweils mit dem Mittel der anderen 15 Zellen verglichen. So verwässert die mutmaßlich schwache LiFePO4-Zelle den Vergleichswert nicht.

| Situation | Zelle 09 | andere 15 | Abstand | Strom Pack 1 |
|---|---|---|---|---|
| Fast leer, Morgen 02.10. (07:45) | 2,900 V | 3,282 V | −382 mV | −1 A |
| Entladen am Abend 02.10. (21:15) | 2,989 V | 3,302 V | −313 mV | −26 A |
| Laden mit ~40 A, 03.10. (10:55) | 3,424 V | 3,386 V | +38 mV | +40 A |
| Speicher voll, 03.10. (16:30) | 3,335 V | 3,458 V | −123 mV | +3 A |
| Speicher voll, 03.10. (17:05) | 3,323 V | 3,467 V | −144 mV | 0 A |
Daraus lassen sich vier Beobachtungen ablesen:
- Unten (fast leer) liegt Zelle 09 bis zu 0,38 V unter den anderen. Sie ist die erste, die einbricht, und löst damit die Unterspannungsabschaltung von Pack 1 aus.
- Beim Laden mit 30–40 A wird Zelle 09 kurzzeitig zur höchsten Zelle (+10 bis +38 mV). Das deutet auf einen leicht erhöhten Widerstand hin – grob 0,5 bis 1 mΩ mehr als bei den anderen Zellen, so meine damalige Schätzung. (Spoiler: Es war deutlich mehr – mehr dazu in Teil 2.)
- Oben (Speicher voll) bleibt sie dagegen die tiefste Zelle. Die anderen stehen bei 3,44–3,46 V, Zelle 09 nur bei 3,32–3,33 V – also noch mitten im flachen Bereich der LiFePO4-Kurve.
- Ab etwa 15 Uhr steigt Pack 1 beim Laden aus: Der Strom geht gegen null, während Pack 2 weiter rund 20 A aufnimmt. 15 Zellen in Pack 1 sind voll, Zelle 09 bekommt nichts mehr ab.

Die weiteren Diagramme aus meinem Dashboard bestätigen das Bild aus verschiedenen Blickwinkeln:




Mein wichtigstes Learning bis hierhin: Ohne Zellüberwachung über mehrere Tage hätte ich nur geraten. Erst die Kombination aus „unten tiefste Zelle“ und „oben tiefste Zelle“ hat die Diagnose möglich gemacht.
Warum man LiFePO4-Zellen nur oben (oder unten) vergleichen kann
Für das Verständnis ist eine Eigenheit von LiFePO4 entscheidend: Zwischen etwa 30 und 90 % Ladezustand ist die Ruhespannung fast flach. In diesem breiten Plateau liegen viele Prozent Ladung innerhalb von rund 60 mV. Wenn du hier zwei Zellen vergleichst, sagt die Spannung kaum etwas darüber aus, wie voll sie wirklich sind. Mehr zur Kennlinie und den typischen Spannungen findest du in meinem Grundlagenartikel LiFePO4 verstehen.

Spannungsvergleiche funktionieren nur in den steilen Bereichen – oben ab etwa 3,40 V oder ganz unten. Wer eine schwache LiFePO4-Zelle sucht, muss also genau dort hinschauen. Dass Zelle 09 im Mittelbereich „nur“ 50 bis 100 mV fehlen, sagt deshalb wenig. Dass sie bei vollem Speicher bei 3,32 V statt 3,45 V steht, sagt dagegen sehr viel: Die anderen Zellen sind schon im steilen Anstieg, Zelle 09 ist noch auf dem Plateau.
Genau deshalb setzt das sogenannte Top-Balancing oben an. Nur dort lassen sich die Zellen eines Packs sauber auf denselben Ladezustand bringen.
Diagnose: schwache LiFePO4-Zelle oder nur unausgeglichen?
Die entscheidende Frage war: Hat Zelle 09 zu wenig Kapazität (dann muss sie getauscht werden) oder nur zu wenig Ladung (dann reicht Nachladen)? Die Antwort liefert ihr Verhalten beim Volladen:

- Wird die Zelle oben zur höchsten Zelle, ist sie früher voll als die anderen und damit auch früher leer. Sie hat zu wenig Kapazität und gehört getauscht.
- Bleibt die Zelle oben die tiefste, ist sie schlicht weniger voll. Es fehlt Ladung, nicht Kapazität. Hier hilft gezieltes Nachladen.
- Fällt sie nach dem Angleichen in wenigen Tagen wieder zurück, hat sie eine erhöhte Selbstentladung (oder es fließt irgendwo ein Leckstrom). Auch das ist ein Tauschgrund.
Mein Befund am 03.10.
Zelle 09 ist bei vollem Speicher die tiefste Zelle (−120 mV) – das ist der mittlere Fall. Sie hat einen Ladungsrückstand von grob 80–120 Ah gegenüber den anderen Zellen. Diese Schätzung ergibt sich aus der Spannungslage bei vollem Speicher und der vom BMS gemeldeten Pack-Kapazität von nur 197 Ah. Ob zusätzlich eine erhöhte Selbstentladung vorliegt, lässt sich erst nach dem Angleichen beobachten.
Die gute Nachricht: Eine unausgeglichene Zelle ist kein Totalschaden. Die schlechte: Der Rückstand ist so groß, dass das BMS ihn allein nicht in vernünftiger Zeit aufholt.
Kontrollen – und warum der 2-A-Balancer nicht reicht
Bevor ich mit einem Ladegerät an eine einzelne Zelle gehe, habe ich drei Dinge geprüft:
- Nachgemessen: Die Spannung von Zelle 09 direkt an den Polen mit dem Multimeter entspricht genau dem BMS-Wert. Ein Messfehler oder eine defekte Balancerleitung scheidet damit aus.
- Zellverbinder angeschaut: Die Verbinder an Zelle 09 sahen sauber aus und saßen augenscheinlich fest. Damals hielt ich einen schlechten Kontakt deshalb für unwahrscheinlich – dass das ein Irrtum war, zeige ich in Teil 2.
- Balancer gemessen: Der aktive JK-Balancer lief am 03.10. insgesamt rund 4 Stunden mit im Mittel 1,9 A und hat dabei 7,7 Ah umgeladen. Bei Zelle 09 kommt netto weniger an – es gibt Umladeverluste, und vormittags, als sie beim Laden die höchste Zelle war, hat er ihr sogar etwas abgenommen. Realistisch sind 4 bis 6 Ah pro Sonnentag.
Ein aktiver Balancer mit 2 A ist ideal, um eine leicht abweichende Zelle auf Linie zu halten, und ebenso, um die kleinen täglichen Unterschiede zwischen Zellen auszugleichen. Einen Rückstand von 100 Ah holt er aber nicht in vernünftiger Zeit auf. Er arbeitet nur oben, also erst ab dem eingestellten Startwert, und an trüben Herbsttagen erreicht der Speicher diesen Bereich oft gar nicht. Die Unterschiede zwischen aktivem und passivem Balancing habe ich im BMS-Vergleich ausführlicher erklärt.
Wenn du ein neues Pack aufbaust oder ein älteres BMS ersetzen willst: Das aktuelle JK-PB2A16S15P (V19)* für 8–16S hat genau diesen aktiven 2-A-Balancer, 150 A Dauerstrom, CAN und RS485 für den Wechselrichter sowie RS485 für parallele Packs und Bluetooth. Mein Pack 2 läuft mit der 200-A-Variante derselben PB-Serie. Den Balancer ersetzt aber auch das beste BMS nicht, wenn eine Zelle schon 100 Ah hinterherhängt.

Praxis: schwache LiFePO4-Zelle einzeln im montierten Pack nachladen
Ob schwache LiFePO4-Zelle oder nur unausgeglichene: Bei einem großen Ladungsrückstand hilft ein Einzelzellenlader. Er lädt nur die eine Zelle mit deutlich höherem Strom, als jeder Balancer liefern kann. Das Pack musste ich dafür nicht zerlegen: Die Zellverbinder bleiben montiert, der Lader hängt nur an Plus und Minus von Zelle 09.
Das Ladegerät
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Hersteller / Modell | Tian Ying „Power Supply“ LBC-H1088, Baujahr 08/2023 |
| Eingang / Ausgang | 220 V 50/60 Hz → 3,65 V / 20 A (Einzelzellenlader für LiFePO4) |
| Anzeige | rote LED = lädt · blaue LED = Laden fertig |
| Isolation geprüft | kein Durchgang von Plus oder Minus zum Schutzleiter (PE) → Ausgang potentialfrei |
Ganz ehrlich: So ein Einzelzellenlader ist Gold wert, wenn man einen DIY-Speicher betreibt. Er kostet nicht die Welt, liegt die meiste Zeit im Regal – und genau dann, wenn eine Zelle aus der Reihe tanzt, macht er aus einer wochenlangen Balancer-Geduldsprobe ein Projekt für einen Abend. Auch beim ersten Top-Balancing neuer Zellen oder um eine einzelne Ersatzzelle auf das Niveau der anderen zu bringen, will ich ihn nicht mehr missen.
Mein Tian Ying LBC-H1088 ist beim damaligen Lieferanten leider nicht mehr verfügbar. Eine gute Alternative mit denselben Eckdaten ist dieser 3,65-V/20-A-LiFePO4-Einzelzellenlader*: 220–240 V Eingang, feste 3,65 V Ladespannung und 20 A Ladestrom, Aluminiumgehäuse mit eingebautem Lüfter, Schutz gegen Überspannung, Überstrom und Überladung, automatische Abschaltung am Ladeende und eine Status-LED.
Wichtig: Dieses Modell habe ich nicht selbst durchgemessen. Prüf deshalb auch hier vor dem ersten Einsatz mit dem Multimeter, dass weder Plus noch Minus des Ausgangs Durchgang zum Schutzleiter hat – nur dann darfst du den Lader an eine Zelle im verschalteten Pack hängen.
*Affiliate-Link: Wenn du darüber kaufst, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts – du unterstützt damit aber NextNest.at.
Sicherheit: Das muss vorher klar sein
- Das BMS schützt dich nicht, wenn du direkt an den Zellpolen lädst. Ich lade deshalb ausschließlich händisch und nur unter Beobachtung: Die Zellspannung habe ich die ganze Zeit live in Home Assistant im Blick, 3,50 V sind meine absolute Obergrenze. Ich gehe nicht weg, solange der Lader dranhängt.
- Ein potentialfreier Lader ist Pflicht. Zelle 09 liegt im Pack auf rund 26–30 V gegenüber Pack-Minus. Wäre der Ausgang des Laders mit PE verbunden, könnte über die Erde ein Kurzschluss entstehen.
- Polarität vorher mit dem Multimeter prüfen: Am geplanten Plus-Punkt gegen Minus müssen +3,2 bis 3,3 V stehen. Zeigt das Messgerät etwa 6,5 V, hast du zwei Zellen erwischt; ein negativer Wert heißt: verpolt.
- Isoliertes Werkzeug verwenden und nichts Metallisches auf den Verbindern ablegen. Bei 20 A braucht es satte Klemmen und kurze Leitungen mit mindestens 4 mm². Klemmen zwischendurch auf Wärme prüfen.
- Reihenfolge: erst anklemmen, dann Netzstecker. Zum Schluss erst den Netzstecker ziehen, dann abklemmen.
Hinweis: Arbeiten an einem 48-V-Speicher mit mehreren hundert Amperestunden sind kein Spielzeug. Ein Kurzschluss an einer einzigen 314-Ah-Zelle liefert Ströme im Kiloampere-Bereich. Wenn du dir unsicher bist, lass es bleiben oder hol dir jemanden dazu, der sich auskennt.
Der Aufbau

Pack 1 habe ich per Hauptschalter vom Bus getrennt. Pack 2 versorgt währenddessen das Haus allein, der Speicher bleibt also in Betrieb. Das BMS von Pack 1 läuft weiter und meldet alle Zellspannungen per Bluetooth an Home Assistant – so konnte ich den Ladevorgang live verfolgen.
Ablauf am 03.10.2026
| Uhrzeit | Was passiert ist |
|---|---|
| ~19:50 | Hauptschalter von Pack 1 aus. Pack 2 versorgt das Haus allein (~30 A). |
| ~19:53 | Lader an Zelle 09 geklemmt und eingeschaltet. Ruhespannung Zelle 09 vorher ~3,29 V, die anderen ~3,33 V. |
| 20:00–21:45 | Zelle 09 steigt langsam von 3,31 auf 3,356 V (~1 mV in 3 Minuten) – flacher Bereich, weit weg von 3,50 V. Temperatur in Pack 1: 15–16 °C. |
| ~20:45 | Zelle 09 steht unter Ladestrom gleichauf mit den anderen. Das heißt noch nichts – ohne Lader läge sie ~20–30 mV tiefer. |
| ~21:48 | Lader aus und abgeklemmt. Ladedauer knapp 2 Stunden → grob 30–38 Ah (bei 15–20 A, Strom nicht separat gemessen). |
| ~21:51 | Hauptschalter Pack 1 wieder ein. Pack 1 lag ~0,4 V über Pack 2, kurzer harmloser Ausgleichsstrom von ~5 A. |

Ergebnis direkt danach
| Zeitpunkt | Strom Pack 1 | Zelle 09 | andere 15 | Abstand |
|---|---|---|---|---|
| vor dem Nachladen (19:45) | −10,5 A | 3,260 V | 3,323 V | −63 mV |
| nach dem Nachladen (21:55) | −14,6 A | 3,296 V | 3,322 V | −26 mV |
Trotz höherer Last liegt Zelle 09 nach dem Nachladen deutlich näher an den anderen. Das Dashboard zeigt um 22:05 Uhr ein Zelldelta von nur noch 0,026 V für Pack 1. Klingt nach „Problem gelöst“ – ist es aber nicht: Der Wert stammt aus dem flachen Mittelbereich und ist nicht mit dem Wert bei vollem Speicher vergleichbar. Bei einem geschätzten Rückstand von 80–120 Ah fehlen rechnerisch noch etwa 50–90 Ah.


Was noch offen ist – und was in Teil 2 kommt
Das erste Nachladen hat die Diagnose bestätigt: Zelle 09 ist keine schwache LiFePO4-Zelle im Sinne von „zu wenig Kapazität“ – zumindest nach allem, was die Daten bisher zeigen. Das Problem ist damit aber noch nicht vollständig gelöst. Diese Punkte standen nach dem 03.10. auf meiner Liste:
- Nächstes Volladen auswerten: Wie groß ist der Abstand von Zelle 09 bei vollem Speicher? Vergleichswert: −120 bis −145 mV am 03.10.
- Nächste Nacht: Bricht Zelle 09 beim Entladen später ein als am 02.10. (2,86–2,90 V)?
- Restlichen Rückstand nachladen – am besten an einem sonnigen Tag, wenn die anderen 15 Zellen oben bei ~3,44 V stehen: Pack 1 abschalten und Zelle 09 unter Beobachtung schrittweise an die anderen heranführen. Ich lade sie bewusst nicht ganz bis zum Gleichstand, sondern nur in deren Nähe – den letzten kleinen Ausgleich überlasse ich dem 2-A-Balancer, der genau dafür gemacht ist.
- Selbstentladungs-Test: Nach dem Angleichen einige Tage beobachten. Fällt Zelle 09 schnell wieder zurück, hat sie eine erhöhte Selbstentladung.
- Ursache klären: Warum ist gerade Zelle 09 so weit abgedriftet? Der leicht erhöhte Widerstand beim Laden mit hohem Strom ist ein Hinweis, dem ich nachgehen will.
- BMS-Einstellung prüfen: Pack 1 meldet 197 Ah „Vollkapazität“ statt 314 Ah. SOC und Zyklenzähler von Pack 1 sind damit fraglich.
In Teil 2 zeige ich dir, was die nächsten Tage ergeben haben, wie das zweite Nachladen gelaufen ist, was ich als Ursache gefunden habe und ob Zelle 09 im Pack bleiben darf: Zum Teil 2: Lockerer Zellverbinder.
Mein Fazit zu Teil 1: Nicht jede schwache LiFePO4-Zelle ist kaputt
Eine Zelle, die beim Entladen zuerst einbricht, ist nicht automatisch eine schwache LiFePO4-Zelle. Bei mir hat erst der Blick auf das obere Ende der Ladekurve gezeigt, dass Zelle 09 nicht zu wenig Kapazität, sondern zu wenig Ladung hat. Das ist ein großer Unterschied, denn eine unausgeglichene LiFePO4-Zelle lässt sich retten, eine schwache meistens nicht.
- Bei LiFePO4 sagt die Zellspannung im Mittelbereich kaum etwas – vergleichen nur oben.
- Bleibt eine Zelle oben die tiefste, fehlt ihr Ladung, nicht unbedingt Kapazität.
- Ein 2-A-Balancer gleicht kleine tägliche Unterschiede aus, keinen Rückstand von 100 Ah.
- Eine einzelne Zelle lässt sich im montierten Pack nachladen – mit potentialfreiem Lader und lückenloser Überwachung.
- Ohne Zellüberwachung hätte ich nur geraten. Daten zuerst, dann schrauben.
Material aus diesem Artikel
- Einzelzellenlader 3,65 V / 20 A für LiFePO4* – Alternative zu meinem nicht mehr erhältlichen Lader
- ESP32 D1 Mini, 3er-Pack* – liest die JK-BMS per Bluetooth aus
- JK-BMS JK-PB2A16S15P (V19) mit 2-A-Aktivbalancer* – BMS der PB-Serie für 8–16S
- JK 7-Zoll-TFT-Display für die PB-Serie V19* – Zellspannungen direkt am Speicher
*Affiliate-Links: Wenn du darüber kaufst, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.
FAQ: schwache LiFePO4-Zelle oder nur unausgeglichen?
Woran erkenne ich, ob eine LiFePO4-Zelle schwach oder nur unausgeglichen ist?
Schau dir die Zelle beim Volladen ab etwa 3,40 V an. Wird sie dort zur höchsten Zelle, hat sie zu wenig Kapazität. Bleibt sie die tiefste, fehlt ihr nur Ladung – dann hilft Nachladen. Fällt sie nach dem Angleichen schnell wieder zurück, deutet das auf eine erhöhte Selbstentladung hin.
Warum bricht immer dieselbe Zelle beim Entladen ein?
Weil sie als erste leer ist. Das kann an zu wenig Kapazität liegen oder daran, dass sie schlicht weniger geladen ist als die anderen Zellen. Beim Entladen allein lässt sich das nicht unterscheiden, erst der Vergleich am oberen Ende der Ladekurve bringt Klarheit.
Reicht ein aktiver 2-A-Balancer, um eine Zelle auszugleichen?
Für kleine tägliche Unterschiede ja. Bei einem großen Rückstand nicht: Mein JK-Balancer schafft netto etwa 4–6 Ah pro Sonnentag. Für 100 Ah wären das rund 20 Sonnentage, im Herbst eher 1–2 Monate. Ein Einzelzellenlader mit 20 A schafft das in wenigen Stunden.
Welchen Einzelzellenlader für LiFePO4 brauche ich?
Einen Lader mit fester Ladespannung von 3,65 V, ausreichend Strom (bei großen Zellen 10–20 A) und potentialfreiem Ausgang. Mein eigenes Gerät gibt es nicht mehr, eine Alternative mit gleichen Eckdaten ist dieser 3,65-V/20-A-Lader*. Prüf die Isolation zum Schutzleiter vor dem ersten Einsatz selbst.
Kann ich eine einzelne Zelle laden, ohne das Pack zu zerlegen?
Ja. Pack vom Bus trennen, potentialfreien LiFePO4-Einzelzellenlader (3,65 V) direkt an Plus und Minus der Zelle klemmen und die Zellspannung live überwachen. Das BMS schützt dabei nicht – also nur unter Beobachtung laden und eine eigene Obergrenze, zum Beispiel 3,50 V, festlegen. Den letzten kleinen Ausgleich kann danach der Balancer übernehmen.
Wie lese ich ein JK-BMS in Home Assistant aus?
Ich nutze einen ESP32 mit ESPHome, der beide JK-BMS per Bluetooth (BLE) ausliest und die Werte per WLAN an Home Assistant schickt. Damit bekommst du jede Zellspannung, Strom, SOC, Temperaturen und den Balancer-Status als eigene Entitäten.
Was bedeutet ein Zelldelta von 0,1 V bei LiFePO4?
Das hängt davon ab, wo du misst. Im flachen Mittelbereich ist ein kleines Delta wenig aussagekräftig, bei vollem Speicher ist ein Delta von über 0,1 V dagegen ein deutliches Zeichen, dass eine Zelle nicht mithält.
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Messdaten: JK-BMS via ESP32/BLE → Home Assistant, 5-Minuten-Mittel, 01.10.–03.10.2026. Ladungsmengen sind Schätzungen; der Ladestrom des Einzelzellenladers wurde nicht separat gemessen. Mit * markierte Links sind Affiliate-Links.



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